Erfahrungsberichte

Ausgangssituation

Das Haus wurde 1964 erstellt. Die Ölheizung
war 27 Jahre alt. Der Bauherr wollte eine
Photovoltaikanlage auf dem Dach installieren.
Außenwände und Dach (-Rinnen) waren
sanierungsbedürftig.
Angeregt von der Ausstellung (!) der Waiblinger
Zeitung, sowie einem Gebäudeenergiegutachten
hat sich die Eigentümerin entschlossen,
eine Komplettsanierung in betracht zu ziehen
und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen
zu klären.
Die Einnahmen aus der Photovoltaikanlage,
die mittels einer fälligen Lebensversicherung
finanziert werden sollte, sowie den zu erwartenden
Heizkosteneinsparungen und Steuervergünstigungen
sollten dafür ausreichen um die gesamte
Sanierung in ca. 10-12 Jahren zu finanzieren.
Die Kosten für die
Sanierung setzen sich wie folgt zusammen:
Dach -Isolation, neue Bedachung 27.000 €
Blecharbeiten 10.000 €
Neue Fenster 15.000 €
Außenputz, Wärmeisolierung
(140 mm)
20.000 €
Heizung, Solarkollektoren, Wärmepumpe 38.000 €
Sonstiges 5.000 €
Gesamtkosten für die optimale
Gebäudeenergiemaßnahmen
115.000
Photovoltaikanlage 50.000 €
Gesamtinvestition 165.000
Die Finanzierung
Eigenmittel
(Lebensversicherung)
50.000
KfW Co2 Gebäudesanierung
(20 Jahre Laufzeit, 2,6% Zins-10 Jahre
fest- 10% Schuldenerlass)
100.000
KfW Öko Plus
(20 Jahre Laufzeit, 3,65% Zins-10 Jahre
fest)
15.000
Nachdem der Finanzierungsplan aufgestellt
und die gewünschte Rückzahlungsfrist
von 10-12 Jahren darstellen werden konnte,
(vorausgesetzt die prognostizierten Einsparungen
und Einspeisvergütungen treffen ein)
hat sich die Eigentümerin für eine
Komplettsanierung des Gebäudes entschieden.
Die Realisierung der
Sanierung: Wärmepumpegestützte Solarheizung
mit Erdflächenkollektoren
Bei der Heizung hat sich der Bauherr für
einen Wärmepumpegestützte Solarheizung
mit Erdflächenkollektoren entschieden.
Wobei man sehr skeptisch über die Aussage
der Heizungsbaufirma Kielwein
war, die von einer 2/3 Einsparung der Heizkosten
sprach.
Der Erdkollektor (Rohrschlagen von je 100m
Länge) wurde hinter dem Haus (trotz Hanglage)
verlegt. Dafür wurde ein genauer Lageplan
für den Aushub und Verlegeplan für
die Rohrleitungen erstellt. Die Erdreichtemperatur
nimmt in den oberen Erdschichten durchschnittlich
um 3°C pro 100m zu.

Das Funktionsprinzip

  • Wärmepumpe
  • Erdkollektor
  • Hochvakuum-Röhrenkollektor
Der Röhrenkollektor, sowohl in der
Brauchwasser- als auch bei der Wärmegewinnungsseite,
gewährleistet, dass der Erdkollektor
lediglich noch als Puffer für die dauerhafte
Energiesicherung benötigt wird. Auf 75%
kostenlose Erdwärme müssen nur noch
25% elektrische Energie über den Verdichter
der Wärmepumpe aufgesattelt werden.
An diese Effizienz reicht selbst die
modernste Brennwerttechnik nicht heran.
Ein weiterer Vorteil des Regelsystems ist
es, dass wenn die die Wärme aus dem Solarkollektor
unter die des Mehrschichtspeichers fällt
diese dann niedrigere Temperatur zur Aufheizung
der Wärmepumpesole (Solespeicher) verwendet
wird, d.h. die Wärme braucht nicht der
Erde entzogen werden. Dies bringt besonders
im Winter große Vorteile.
Als Sonnenkollektoren kamen die hocheffizienten
Heat-Pipe Kollektoren der Firma EuroSun GmbH
zum Einsatz. Beim Mehrschicht- Kombispeicher
sowie der Wärmepumpe entschied sich der
Bauherr für Produkte der Firma Kälte
Fedder.
Die eingesetzte Wärmepumpe hat eine
Heizleistung nach DIN von 13,4 kW und eine
hervorragende Leistungsziffer von 4,3. Die
eigentliche Wärmepumpenanlage wurde in
den ehemaligen Heizungs-/Ölraum eingebaut
Die Wärmepumpe ist Außentemperaturgesteuert
Außentemperaturgesteuert bedeutet:
Die Höhe der Erwärmung des Heizungswassers
richtet sich nach der Außentemperatur,
d.h. wenn es nicht kalt ist wird das Heizungs-wasser
nicht unnötig hoch erwärmt.
Vorteil: Die Temperatur des Heizungswassers
wir nicht unnötig hoch gehalten, was
wiederum zur Kosteneinsparung beiträgt.
Je nach Hausbeschaffenheit kann die Kennlinie
geändert, oder eine Parallelverschiebung
dieser vorgenommen werden.

Zu den Ergebnissen

Die Wärmepumpe wurde zunächst
ohne die Solaranlage nach einer sehr kurzen
Umbauzeit von ca. 14 Tagen am 14. August 2006
in Betrieb genommen. Die Solaranlage folgte
am 12.Oktober (nach Fertigstellung des Dachumbaues).
Bisher wurden im Schnitt 5500 Liter Heizöl
pro Jahr benötigt.
Verbrauch Kosten
je Liter
Plan
2006
Ist
2007
Einsparung
in %
Heizölkosten 5500 Liter 0,60 3.300,00
Stromkosten Wärmepumpe 33,33% 1.099,89 947,70
Einsparung 2.200,11 2.352,30 71%
Berücksichtigt man den aktuellen Ölpreis
von 0,66 € (11.09.2007) so ergibt sich
sogar eine Einsparung von 74%. Auch bei
der Einspeisevergütung konnte ein besseres
Ergebnis erreicht werden. Geplant waren
durchschnittlich 404 € (netto) pro
Monat. Erreicht wurden 475 € pro Monat.
Die Eigentümerin ist sich sicher,
dass diese Werte auch in den nächsten
Jahren mindestens erreicht werden, denn
die Solaranlage ging erst Mitte Oktober
in Betrieb, und die Keller-deckenisolierung
wurde erst in diesem Frühjahr aufgebracht.
Beides sollte sich positiv auf den Stromverbrauch
der Wärmepumpe auswirken und somit
auch bei sehr kalten Wintern den gewünschten
Einsparungseffekt erzielen.
Wie hat sich dies nun auf die Finanzierung
ausgewirkt? Bei der Betrachtung wird von einem
vermieteten Objekt ausgegangen.
Auf
den Zeitraum von 10 Jahren ergibt sich folgende
Betrachtung
Plan Ist
Photovoltaik – Einspeisevergütung
(nach AfA und E-Steuer 35%)
40.000 € 46.000 €
Heizkosteneinsparung 22.000 € 27.000 €
Steuereinsparung (Abschreibung der
Sanierungskosten 35%)
46.000 € 46.000 €
Zinsen bei sofortiger Anlage der Einsparungen
(Plan 2,5%; Ist 3,4%)
9.000 € 15.000 €
Summe Einsparungen und Vergütungen 117.000
134.000
Kosten für die Darlehen 69.000 € 69.000 €
Überschuss 48.000
65.000
Restschulden der Darlehen nach 10
Jahren
62.000 € 62.000 €
Notwendige Restfinanzierung bzw.
Überschuss
nach 10 Jahren
-14.000
3.000
In diesen Betrachtungen sind die zu erwartenden
Preissteigerungen beim Öl aber auch beim
Strom nicht berücksichtigt. Jedoch ist
klar, dass bei Berücksichtigung dieser
Steigerungen das Ergebnis noch wesentlich
besser ausfallen würde.
Für Eigentümer von Einfamilienhäusern,
die ihre Heizung erneuern müssen, lohnt
sich die Investition in eine Wärmepumpe
gestützte Solaranlage ebenfalls, auch
wenn sie keine Steuerersparnis erhalten, allein
durch die erreichten Einsparungen. Darüber
hinaus werden durch die Umweltprogramme von
Bund und Länder, zusätzliche, zum
Teil erhebliche, Zuschüsse gewährt.
Die Eigentümerin des Objektes freut
sich nicht nur darüber, dass sie derzeit
keine Mehrbelastungen zu tragen hat und dass
sie in 10 Jahren für weitere 10 Jahre
eine Zusatzrente von monatlich 400 €
erhalten wird, sonder auch darüber, dass
sie etwas zur Schonung der Umwelt betragen
konnte.
Von Besuchern wird der Bauherr immer wieder
gefragt, ob es denn tatsächlich ohne
Öl und Elektrozusatzheizung funktioniert.
Voller Stolz kann dann dieser berichten, dass
die von der Firma Kielwein GmbH konzipierte
und installierte Heizungsanlage nun über
1 Jahr problemlos läuft und bis heute
die für Notfälle installierte Elektrozusatzheizung
noch nicht benötigt wurde.
Rudersberg, den 20. September 2007
Gerhard Lutz